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Hauenhorst - Die Geschichte eines Dorfes

von Josef Düttmann

Um 1700 breiteten sich in Brochtrup und Hauenhorst noch große Ödlandflächen aus, die zum münsterschen Heidesandgebiet gehörten. Zähe Bauernarbeit machte aus den Ödlandflächen Ackerland, Wiesen und Weiden. Kleinbauern und Kötter bearbeiteten selten mehr als 8 Morgen Land. Große Reichtümer konnten die Bauern auf ihrer Scholle nicht erwerben. Sparsam und genügsam mußte man sein, um mit dem Ertrag auszukommen.Der Bauer kannte in der Hauptsache nur den ewigen Roggenanbau. Der Roggen wurde immer wieder eingesät, ohne daß die Erträge geschmälert wurden. Man baute zum Beispiel auch Weizen am Waldhügel an, außerdem Raps, Hafer, Gerste, Buchweizen, Flachs und Hanf.Die Heuerleute waren für den Hofbesitzer wichtige Arbeitskräfte, auf die er nicht verzichten konnte.
Dennoch ging in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit der beginnenden Industrialisierung und Technisierung das Heuerlingswesen zu Ende. Die Heuerleute lösten sich durch Landkauf aus dem Abhängigkeitsverhältnis zum Hof und wandten sich lukrativen Arbeitsplätzen zu. Die nachgeborenen Kinder auf den Höfen, die nicht das Glück hatten, auf einen anderen Hof zu heiraten, blieben zu Hause und übernahmen die Schafe oder die Bienen des Hofes zur Betreuung. Ein Knecht erhielt um 1800 als Jahreslohn 6 bis 8 Taler und eine Magd 5 Taler. Tagelöhner und Handwerker bekamen pro Tag neben freier Kost 25 Pfennig, die Näherin dagegen 15 Pfennig. Ein Kalb kostete zu der Zeit 1 Taler, eine Kuh 8 Taler. Ein Knecht verdiente also im ganzen Jahr den Wert einer Kuh.
Wenn auf dem Heimischen Boden wenig Feldarbeit anfiel, ging ein Teil der Bevölkerung ins benachbarte Holland, um dort durch Torfstechen und Grasmähen das notwendige Bargeld zu verdienen. In dieser Zeit erhielten die Hollandgänger 80 bis 100 Gulden, wovon die Kosten für Unterkunft und Verpflegung abgingen.
Um die wirtschaftliche Lage der Hauenhorster Bauern in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu charakterisieren und Wissenswertes über die Flurnamen und Höfegeschichte zu erfahren, möchte ich die Abhandlung von Oberstudienrat Dr. Josef Tönsmeyer aus der Münsterländischen Volkszeitung vom 15.02.1964 bringen.

Objekte waren die Hauenhorster List- und Binnenmark und die Gemeinheit Waldhügel. "Nach dem Martinitage 1810 gibt es nur noch freie Leute", so heißt es in dem Edikt des Freiherrn vom Stein vom 9. 10. 1807. Damit war nach Jahrhunderten der Erbuntertänigkeit endlich die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben. Doch brachte dieses Edikt vorerst nur die persönliche Freizügigkeit. Erst Staatskanzler von Hardenberg verfügte die Aufhebung der dinglichen Lasten und Abgaben, der Gerechtsamen und Verbindlichkeiten gegen eine Entschädigung. Zur Durchführung dieser sogenannten Ablösung wurde in Münster die königliche Generalkommission geschaffen, die in den Jahren von rund 1820 bis 1860 ein umfangreiches Arbeitsprogramm bewältigt hat.Es war ihre Aufgabe, die General- und Spezialteilung der Allmende vorzunehmen. In der Generalteilung wurden die ausgedehnten Gemeinheitsgründe in ihrem Umfange erfaßt, zerschlagen und auf die einzelnen Gemeinden und Bauerschaften anteilmäßig aufgegliedert.

Damit wurden die politischen Grenzen der Dorfgemeinden fest umrissen. Der Spezialteilung blieb es dann vorbehalten, aus der jeder Gemeinde zugewiesenen Teilungsmasse den einzelnen Bauern ihren gebührenden Anteil als Privatbesitz zu übereignen. Ein großes Aufgebot von Geometern und Taxatoren begann mit der Vermessung der Allmende, der Festlegung der Wege und Gräben, der Bonitierung des Geländes und der Feststellung der noch auf den Fluren lastenden Vorrechte.
Bis zur Aufteilung hatte die Allmende vielfacher gemeinsamer Nutzung gedient, als Hude, zum Plaggenstechen, zum Torfstich, zur Gewinnung der Brennbülte als Feuerungsmittel, zur Anlage von Röthegruben für die Verarbeitung von Hanf und Flachs, zur Holzgewinnung und zur Sand- und Lehmentnahme in den dafür bezeichneten Gruben.Durch mehrmalige Veröffentlichungen im Amtsblatt der Regierung zu Minden, im Westf. Merkur und im Münsterschen Intelligenzblatt wurde die bäuerliche Bevölkerung auf die bevorstehende Teilung aufmerksam gemacht. Die Aufteilung erfolgte gewöhnlich nach der Meierqualität. Über jede General- und Spezialteilung wurde ein von den beteiligten Bauern unterschriebener Rezeß angefertigt. Diese Rezesse können für den Heimatforscher eine ergiebige Fundgrube volkskundlichen Quellenmaterials werden.
Nachdem die Bauern Schulze Höping und Hermeler-Hinterding aus Mesum die Teilung der in der Bürgermeisterei Rheine belegenen Hauenhorster List- und Binnenmark bei der königlichen Generalkommission in Münster beantragt hatten, wurde das Verfahren zur Zerschlagung der Gemeinheiten und ihrer Überführung in Privatbesitz eingeleitet. Teilungsobjekte waren die Hauenhorster List- und Binnenmark und die Gemeinheit Waldhügel. Sie umfaßten eine Gesamtfläche von 624 Morgen, 78 Ruthen. Von dieser Teilungsmasse wurden zunächst 9 Morgen zur Anlage von Röthegruben oder Wegebesserungsplätzen abgezogen, die weiterhin im Gemeindebesitz verblieben. Ein weiteres Areal von 39 Morgen war für Straßen und Wege innerhalb der Feldflur vorgesehen. Die öffentlichen Kommunikations- und Kulturwege, zu deren Instandsetzung und Erhaltung sich die beteiligten Bauern verpflichteten, wurden in ihrem Verlaufe genau festgelegt.  

Gleichzeitig mit der Vermessung der Allmende durch die Geometer setzte die Bonitierung durch Sachverständige ein. Die zur Teilung anstehenden Flurbezirke Listmark, Binnenmark und Waldhügel wurden in fünf Klassen eingestuft, wobei die erste Klasse zu vier, die fünfte zu einem halben Taler geschätzt wurde. Nach dieser Einstufung und Festsetzung des Taxwertes pro Morgen kann die Hauenhorster Allmende als landwirtschaftlich wenig ergiebiges Gelände charakterisiert werden. Der Taxwert der 576 Morgen wurde auf 1537 Taler, 14 Groschen veranschlagt.Die TeilnehmerEs war die Aufgabe der Hauenhorster Bauerschaft, auf Grund der bisherigen Nutzung dieser Flurbezirke den Kreis der teilungsberechtigten Bauern und Kötter aus Hauenhorst selbst und den Nachbargemeinden zu bestimmen. Da die Neubauern und Heuerlinge im allgemeinen keine Berechtigung an der Allmende nachweisen konnten, ergab sich folgender Bauernkatalog:

Aus H a u e n h o r s t die Bauern :
Hermann Heinrich Wöhrmann (Haus Nr. 1)
Bernhard Heinrich Gahrmann (2)
Bernhard Heinrich Naber (3)
Joh. Gerhard Stoermann, gen. Knüver (4)
Theodor Vark, gen. Nahlmöller (5)
Joh. Bernh. Josef Feistmann (6)
Wwe. Anna Kath. Frohnes, geb. Dieckmann (12)
Hermann Heinr. Hapke (13)
Joh. Bernhard Storm (14)
Joh. Hermann Filker (15)
Wwe. Adelheid Werning (16)
Gerh. Bernhard Lücke (17)
Gerh. Heinrich Weßling (18)
Bernhard Hörling (19)
Bernhard Hovekamp (20)
Joh. Gerhard Waldman (21)
Joh. Hermann Hönekamp geb. Johanning (22)

Die Kötter:
Wwe. Gertrud Feistmann (Haus Nr. 7)
Hermann Niemer (8)
Georg Vennemann, gen. Lütkemeyer (9)
Gerh. Hermann Bülter (10)
Theodor Ruvers, gen. Pohlmann (11)
Gerh. Exler, gen. Vogelsang (23)
Bernh. Heinrich Brameyer (25)
Joh. Gerh. Keus, gen. Nieweler (26)
Gerhard Bicke gen. Tegeder (27)
Joh. Gerhard Mersmann, gen. Rahmeyer (28)

Für die Kapelle: Joh. Bernhard Storm als Vorsteher der Kirchengemeinde.

AusMesum: Schulze B. Höping und H. Hermeler

Aus Catenhorn: Hüsing und Upmann

Weber Joh. Gerhard Ruhe als Vertreter für Salineninspektor Anton Ratersaus Rheine-Bentlage, Besitzer des Lauskottens,
früherer Schullehrer Joh. Gerh. Gausling für die Schule,
jetziger Schullehrer Gerhard Feistmann und Schulvorsteher Kolon Waldmann

Die Vorabfindungen

Zu den vorbereitenden Maßnahmen der deputierten Bauern von Hauenhorst gehörte es auch, etwaige über die allgemeine Nutzung hinausgehende Vorrechte an der Mark auf ihre Rechtmäßigkeit zu prüfen und vor der Spezialteilung abzugelten oder Sonderverdienste zu belohnen. So erhielt der frühere Schullehrer Gausling als Anerkennung für seine Verdienste um den Bau der Kapelle und der Schule eine Fläche von vier Morgen zum Taxwert von 16 Talern. Die Kapelle und die Schule zu Hauenhorst erhielten ebenfalls je vier Morgen, und als Spielplatz für die Schuljugend wurden 40 Ruthen abgetrennt. Die Bauern Hüsing und Upmann aus Catenhorn wurden als Ablösung ihrer Hudegerechtsame und des Rechts zum Plaggenhieb in der Allmende mit je drei Morgen und Bauer Storm aus Hauenhorst für sein Recht des Plaggenstichs mit zwei Morgen abgefunden. Unter Einbeziehung dieser 21 Morgen an Vorabfindungen betrug der Flächeninhalt der Gesamtteilungsmasse 576 Morgen mit einem Taxwert von 1 537 Talern.

Die Spezialteilung

Die endgültige Aufteilung dieser bisherigen Allmende wurde flurweise durchgeführt. Die Listmark in Größe von 106 Morgen zum Taxwert von 295 Talern wurde unter die Hauenhorster Bauern Niemer, Vennemann, Bülter, Pohlmann, Frohnes, Hapke, Storm, Eilker, Werning, Lücke, Weßling, Jörling und Hovekamp und Höping und Hinterding aus Mesum aufgeteilt. Die Teilung erfolgte nach der Maßgabe, daß die ersten vier Bauern von 26 gleichen Teilen je ein Teil im Werte von 11 Talern, die übrigen je zwei Teile im Werte von 22 Talern erhielten. Die Binnenmark in Größe von 418 Morgen im Werte von 1130 Talern und das Gelände der Waldhügel in Größe von 30 Morgen zum Werte von 57 Talern wurden den teilungsberechtigten Bauern aus Hauenhorst und Mesum zugesprochen.

Neue Flurordnung am 26.09.1842 in Kraft

Nach Aufteilung der drei Flurbezirke Listmark, Binnenmark und Waldhügel und ihrer Überführung in das Privateigentum der beteiligten Bauern aus Hauenhorst, Mesum und Catenhorn hörte jede gemeinsame Nutzung der früheren Allmende auf. Die Bauern verpflichteten sich, die Kosten der Spezialauseinandersetzung anteilmäßig zu tragen, wobei die beiden Mesumer Bauern je 10 Taler beisteuerten. Kapelle und Schule zu Hauenhorst blieben von der Zahlung befreit. Mit der Eintragung des neuen Privatbesitzes in das Grund- und Hypothekenbuch mußten die Eigentümer davon die Grundsteuer entrichten. Da keine Einwendungen oder Nachforderungen einliefen, konnte der Rezeß durch die Teilnehmer am 13.06.1842 unterzeichnet werden, wobei der Geometer Peikenkamp aus Lengerich als Zeuge für die eigenhändige Signierung der Kreuzelschreiber zeugte. Unter den etwa 35 unterzeichnenden Bauern und Köttern waren 12 Kreuzelschreiber. Mit der endgültigen Bestätigung durch die königliche Generalkommission zu Münster vom 26.09.1842 trat die neue Flurordnung in Hauenhorst in Kraft.

(Soweit Dr. Josef Tönsmeyer)

Dank der Meliorationstätigkeit des Kreis- Meliorationsbauamtes, der Wassergenossenschaften einzelner Gemeinden, der landwirtschaftlichen Winterschule in Wellbergen und des Ausbaus des Kreisstraßennetzes verringerten sich die Ödlandflächen- In Hauenhorst und Brochtrup begann das große Werk zäher Bauernarbeit. Die Landwirtschaft ging von der Handarbeit zur Maschine über, besonders in der Grünwirtschaft, wo Grasmähmaschinen, Heuwender, Pferde- und Schwadenrechen und Maschinen zum Auf- und Abladen verwandt wurden. Auch die Bearbeitung des Ackerlandes mit Winterroggen, Hafer, Winterweizen, Winter- und Sommergerste, Sommerroggen, mit Hackfrüchten, Kartoffeln, Rüben, mit Futterpflanzen und Klee war fortschrittlich, was Bodenlockerung, Düngung und Saatgut angeht. Hack- und Drillmaschinen beseitigten das Unkraut, bei der Ernte ersetzte die Maschine Sichel und Sense. Die Viehzucht nahm auch am Fortschritt teil. Pferdezuchtvereine, Reitervereine und Deckstationen bemühten sich um die Zucht edler Pferde. Niederungsvieh und Milchkühe wurden sehr geschätzt. Die Geflügelzucht begann. Die Eiersammelstelle lieferte die Ware ins Industriegebiet. Der Gemüseanbau wurde nach holländischem Muster organisiert. Über die Geschichte der Bauerschaft Hauenhorst im ausgehenden 18. Jhd., bei Beginn des 19. Jahrhunderts berichten die Schulakten von Hauenhorst des Staatsarchivs in Münster.

Die Hauenhorster Schule wird erstmals bekannt als Kapellenschule im Jahre 1783. Ihr erster Lehrer war Bernhard Hermann Schilling, der an der Nebenschule zu Hauenhorst als Schulmeister tätig war. Er war von Beruf Weber, stammte von der holländischen Grenze und hatte sich 1780 in Hauenhorst niedergelassen, wo er im Sommer als Tagelöhner bei den Bauern arbeitete und im Winter in seiner armseligen Webstube ein paar freiwillige Schüler in der Religion und in der Kunst des Lesens unterrichtete. Zuerst wohnte er in dem Backhause des Kötters Vogelsang am Waldhügel. Später räumte man ihm eine durch eine Bretterwand abgetrennte Stube im Kapellenhause ein, wo er um l800 etwa 25 Schulkinder versammelte.
1783 wurde die Kapellenschule erbaut. Der letzte regierende Fürstbischof von Münster, Max Franz, Erzherzog von Österreich, erteilte im Jahre 1790 den Patres des Franziskanerklosters St. Josef zu Rheine die Erlaubnis, in dieser der Gottesmutter geweihten Kapelle an allen Sonn- und Feiertagen eine Frühmesse für die Bewohner von Hauenhorst, Brochtrup und Catenhorn zu feiern. Zu Ostern, Pfingsten und am Patronatsfest aber hatten die Gläubigen weiterhin am Gottesdienst in der Mutterpfarrei St. Dionys in Rheine teilzunehmen. Zur Unterstützung des Schulmeisters hatten die Rheiner Franziskaner auch die religiöse Unterweisung der wenigen Schulkinder übernommen. Nach der Jahrhundertwende aber reichte die Kapellenschule nicht mehr aus, so daß in der Gemeinde der Wunsch nach einem Neubau mit der Trennung von Gotteshaus und Schule laut wurde. Schon um Michaelis des Jahres 1808 war der Neubau von Kapelle und Schule vollendet. Das neue Gotteshaus war ein massives Gebäude, dessen Grundriß bei den Schulakten im Staatsarchiv zu Münster liegt. Dieser zweite Kapellenbau hat bis zur Einweihung der jetzigen Kirche der Gemeinde als Gotteshaus gedient.
1862 tauchte der von der Behörde unterstützte Plan auf, für die drei Bauerschaften Hauenhorst, Brochtrup und Catenhorn mit einer Schülerfrequenz von etwa 90 Kindern an günstiger Stelle ein neues Schulgebäude zu errichten. Da aber die Bauerschaftsvertreter sich über die Lage und Kosten nicht einigen konnten, wurde das Schullokal in Hauenhorst erweitert. Da die Schulerweiterung im Jahre 1862 keine langfristige Lösung der Schulraumfrage ergeben hatte, wurde 1874 das alte Schulhaus zur Lehrerwohnung umgebaut. Für 1100 Taler erstellte man unmittelbar daran einen kleinen Neubau für den Flur und einen Klassenraum. Im Kaiserreich wurde es üblich, die Revision einer Schule mit der Aufstellung einer Schulmatrikel zu verbinden. Die erste Matrikel der Schule vom 19. 10. 1875 zu Hauenhorst zeigt folgendes Bild: Seelenzahl 282, Schulkinder 57, Schulhaus massiv, erbaut 1874.

Die Bauerschaften Hauenhorst, Brochtrup und Catenhorn gehörten bis zur Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zur Bürgermeisterei Rheine. Von diesem Zeitpunkt an wurden Stadt und Land Rheine getrennt verwaltet. 1856 wurde die westfälische Eisenbahn Emden - Rheine - Münster – Hamm und im Jahre 1876/77 die rheinische Eisenbahn Duisburg - Coesfeld - Burgsteinfurt - Hauenhorst - Rheine - Quakenbrück gebaut- Ich erwähne das, weil der Ortskern von Hauenhorst in dieser Bahngabel liegt. Um diese Zeit sind immer noch Ackerbau und Viehzucht die Einnahmequellen der Bewohner unseres Ortes.

Im Jahre 1902 wird die neue Kirche fertiggestellt und am 2. Juli von Herrn Pfarrer Pietz aus Rheine im Auftrage des Bischofs von Münster Hermann geweiht. So hat diese Kirche bereits fast 95 Jahre den Einwohnern von Hauenhorst und Catenhorn als Gotteshaus gedient.

Schon seit Jahren wünschten sich die Bewohner von Hauenhorst und Catenhorn an der Eisenbahnstrecke Rheine - Coesfeld - Oberhausen eine Haltestelle. Trotz vieler vergeblicher Bemühungen wurde die Haltestelle letztlich doch genehmigt. Seit 1902 war Hauenhorst Bahnstation.
Von der Möglichkeit, mit dem Zuge nach Rheine oder in die Kreisstadt Burgsteinfurt fahren zu können, wurde bis 1981 rege Gebrauch gemacht, sie fiel dann allerdings den Rationalisierungsmaßnahmen der Bundesbahn zum Opfer und wurde stillgelegt.
1906 verkaufte der Kirchenvorstand die alte Kapelle für RM 150 an den Kolon Clemens Storm, genannt Hönekamp. Sie wurde noch im gleichen Jahr abgebrochen. Im Jahre 1918 setzte der Ausbau der Bahnanlagen des Rangier- und Verschiebebahnhofs Rheine ein, der fast ausschließlich in der Feldflur von Hauenhorst angelegt wurde. Weil viele Eisenbahnbedienstete sich in Hauenhorst ansiedelten, stieg die Schülerzahl sprunghaft an.

1924 wurde nach langen Verhandlungen eine zweiklassige Schule mit Lehrerwohnung neu erstellt. In den zwanziger und dreißiger Jahren wuchs die Schülerzahl stetig, so daß 1939, noch kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges, die zweiklassige Schule um noch weitere zwei Klassen erweitert wurde. Mit der seit dem Ende des 2. Weltkrieges rasch anwachsenden Einwohnerzahl, die am 01.12.1962 auf 1668 Einwohner angestiegen war, wuchs auch die Schülerfrequenz. Den 228 Schulkindern standen im Jahr 1962 nur vier Klassenräume zur Verfügung. 1964 wurde das Schulgebäude von 1924 bzw. 1939 durch einen modernen Schultrakt und eine geräumige Pausenhalle erweitert.

1973 wurde unsere Grundschule um den Bau einer neuen Turnhalle bereichert. Darüber freuten sich nicht nur Schüler und Schülerinnen, sondern alle sportbegeisterten Einwohner von Hauenhorst.

Was unsere Ortsgeschichte angeht, möchte ich noch einige wichtige Daten aus den zwanziger und dreißiger Jahren nachholen :

1926 führte man den Bau der Straße von Bauer Wegmann bis zur Kirche Hauenhorst durch.

1928 hat in Hauenhorst eine große Verkopplung stattgefunden. Es wurden 1113 ha Landfläche umgelegt. Infolge der Zusammenlegung erhielt die Bauerschaft überall neue Wege.1929 baute man die Straße von Hauenhorst nach Catenhorn aus.

1930 erhielt die Bauerschaft Brochtrup eine Straße von der Kirche bis zum Brochtruper Esch. Um diese Zeit werden sechs Holzbrücken durch massive Brücken ersetzt.1931 erfolgte der Ausbau der Verbindungsstraße vom Gehöft Wegmann bis zur jetzigen B 481.1934 wurde die Straße Hauenhorst - Mesum ausgebaut.1929 errichtete der Eisenbahnbauverein 11 Wohnungen, die auch heute noch nur den Bediensteten der Deutschen Bundesbahn zur Verfügung stehen. Die Firma Hammersen A. G. in Rheine erbaute 1936 an der Straße Hauenhorst - Mesum 12 Wohnungen, die im Jahre 1936 von Arbeitern der Firma bezogen wurden.Weitere 14 Wohnhäuser wurden in den Jahren 1938 und 1939 von der gleichen Firma erstellt und kurz vor Beginn des II. Weltkrieges bezogen.

Nach dem II. Weltkrieg galt es, der erschreckend großen Wohnungsnot entgegenzusteuern, unter der besonders die Familien der Vertriebenen litten. Schon bald wurden in allen Gemeinden Bürgerversammlungen abgehalten, auf denen zum Kleinsiedlungsbau im Rahmen des anlaufenden sozialen Wohnungsbaues aufgerufen wurde. Die Siedler mußten ihre Häuschen bis einschließlich Kellerdecke selbst erstellen. Es war oft ergreifend, wie selbst amputierte Kriegsbeschädigte unermüdlich in ihren Gruppen mitwirkten. Für einen großen Teil dieser Neubauten hat die damalige Gemeinde links der Ems unter erheblichen Opfern zunächst erst das Baugelände beschaffen müssen, das dann den Bewerbern in den meisten Fällen in Erbpacht oder zu verbilligten Grundstückspreisen abgegeben wurde. So entstand durch die rege Bautätigkeit auch in Hauenhorst an der Mesumer Straße ein ganz neuer Ortsteil.

Die Gemeinde links der Ems hatte sich inzwischen zu einer großen Gemeinde entwickelt. Hauenhorst bildete in dieser Gemeinde, sowohl was die Einwohnerzahl angeht als auch was die Entwicklung auf kommunalpolitischem Gebiet betrifft, den Schwerpunkt. 1966 war die Einwohnerzahl von Hauenhorst auf 1725 und in Catenhorn auf 595 gestiegen. Daraus wird deutlich, daß Hauenhorst nun endgültig die Entwicklung von der Bauerschaft zum Dorf vollzogen hatte.


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